Lob und Kritik aus Deutschland für Anweisung des Vatikans zur Reform von Pfarreien

Bischof Peter Kohlgraf von Mainz, Kardinal Rainer Marie Woelki von Köln und Bischof Franz-Josef Bode von Osnabrück (von links).
Foto: Bistum Mainz / Erzbistum Köln / Bistum Osnabrück

Die von Papst Franziskus approbierte Anweisung des Vatikans, dass Pfarreien sich der Mission verschreiben müssen, ist in Deutschland auf sehr unterschiedliche Reaktionen gestoßen.

Wie CNA Deutsch berichtete, hat der Vatikan Anfang der Woche eine neue Instruktion veröffentlicht, mit der Papst Franziskus die Pfarreien der Weltkirche anweist, missionarischer zu werden. Dort, wo keine Pfarreien möglich sind – oder nicht mehr möglich sind – sollen Bischöfe "missionarische Vorposten" erreichten: Diese "Missionsstationen" sollen "Gebets- und Anbetungszeiten, Katechesen und andere Initiativen zum Wohl der Gläubigen" gewährleisten.

Während sich der Erzbischof von Köln, Kardinal Rainer Maria Woelki, "dankbar" für das Schreiben zeigte, übten andere Bistumsvertreter aus Deutschland teils scharfe Kritik. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode teite mit, er halte die Anweisung aus Rom für eine "starke Bremse der Motivation und Wertschätzung der Dienste von Laien". Bode sagte auch, er  befürchte eine "Umkehr zur Klerikalisierung", weil das Schreiben erklärt, dass Pfarrer - nicht Laien - eine Pfarrei leiten.

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf kritisiert die "scheinbare Selbstverständlichkeit der Aussagen der Instruktion". Er interpretiere die päpstliche Instruktion als "Eingriff" in seine bischöfliche Hirtensorge, die er  "nicht einfach so hinnehmen" werde. 

Ein Sprecher der deutschen Bischofskonferenz (DBK) ließ ausrichten, dass man das Dokument "sorgfältig studieren" wolle und beim nächsten Treffen gemeinsam erörtern werde.

Die Instruktion trägt den Titel "Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche" (lesen Sie hier den vollen Wortlaut in deutscher Sprache). Sie betont nicht nur den erneuten Aufruf zur Mission und Evangelisierung, sondern regelt auch verbindlich die rechte Feier der Sakramente: So darf die Mitwirkung der Laien in der Seelsorge "den Rahmen geregelter Beauftragung und Sendung nicht überschreiten", sagte Andrea Ripa, der Untersekretär der Kleruskongregation bei der Präsentation des Papiers am 20. Juli.

Dank aus Köln

Kardinal Rainer Maria Woelki hat in einer gestern veröffentlichten Stellungnahme Papst Franziskus für die "viele[n] Anregungen für einen missionarischen Aufbruch der Kirche" gedankt. Der Kölner Erzbischof wörtlich:

"Zugleich ruft es [das Dokument] uns Grundwahrheiten unseres Glaubens in Erinnerung, die wir gerade in Deutschland vielleicht manchmal aus dem Blick verlieren, wenn wir zu sehr mit uns selbst beschäftigt sind. Nicht wir 'machen' Kirche, und es ist auch nicht 'unsere' Kirche, sondern die Kirche Jesu Christi. Der Herr selbst hat sie gestiftet und mit ihr die Sakramente und das besondere Priestertum. Papst Franziskus rückt hier einiges zurecht, aber nicht als Maßregelung oder Disziplinierung, sondern als Ermutigung, ganz auf Christus zu setzen, um wieder eine missionarische Kirche zu werden."

Kohlgraf: "Eingriff in meine bischöfliche Hirtensorge"

Bischof Peter Kohlgraf teilte mit, er sehe sich durch das Papier veranlasst, "mitten in den Urlaubstagen" eine Erklärung abzugeben. In dieser Stellungnahme, die gestern veröffentlicht wurde, sagt Kohlgraf, er sehe den für das Bistum Mainz geplanten "Pastoralen Weg" infrage gestellt, bei dem Pfarreien zusammengelegt werden sollten.

"Seit drei Jahren bin ich Bischof von Mainz und eines der ersten Großprojekte war das Entwickeln einer Idee für den Pastoralen Weg. Dieser hat im Wesentlichen zwei Begründungen: Die erste ist das Bemühen um Evangelisierung."

Von Anfang an habe man den "Pastoralen Weg"  als einen "geistlichen Weg" verstanden. "Die zentrale geistliche Frage ist", so Kohlgraf, "wie die Botschaft des Evangeliums unter heutigen Bedingungen gelebt und verkündet werden kann. Dies geht nicht, ohne die 'Zeichen der Zeit' gut anzuschauen und im Geiste des Evangeliums zu deuten." 

Zur Umsetzung des "Pastoralen Wegs" habe auch die Zusammenlegung der bisherigen Pfarreien zu Gemeinden gehört. Dies sieht Kohlgraf durch die Instruktionen des Vatikan nun "in Frage" gestellt: Jede geplante Zusammenlegung müsse er nun in Rom als "Einzelfälle" genehmigen lassen. Das erscheine ihm, so Kohlgraf wörtlich, "widersinnig". Auch Laien könnten aus seiner Sicht "Leitung" übernehmen, so der Mainzer Bischof weiter. 

"Die von uns geplanten Verwaltungsleiter sind nach römischen Vorstellungen wohl nicht genehm."

"Ich kann den Eingriff in meine bischöfliche Hirtensorge nicht so einfach hinnehmen", schreibt Kohlgraf. Er sorge sich um die Priester seiner Diözese, die mit Blick auf Verwaltung und Bürokratie überfordert seien.

Bode: "Synodaler Weg" nun "umso notwendiger

Bischof Franz-Josef Bode zeigt sich in seiner Stellungnahme "völlig überrascht" von der Instruktion des Papstes. Der Osnabrücker Bischof zeigt sich enttäuscht, dass Rom keine "vorherige Fühlungnahme mit den Realitäten vor Ort" vorgenommen habe. Auch habe er eine "bessere Beachtung der vielbeschworenen Synodalität" erwartet, fährt der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz fort.

Bode erklärt, er befürchte, dass "noch so verbindlich dargestellte Normen" nicht greifen würden, wenn sie "zu einem großen Teil von der Realität längst überholt sind". Gleichzeitig verteidigt er seine Pläne von neuen "Leitungsmodellen", in denen Gemeinden im Rahmen einer "Notverordnung" auch von Laien geleitet werden sollten. Bode wörtlich:

"Ich sehe zur Zeit keinen Änderungsbedarf im Bistum Osnabrück an unserem Kurs einer 'Kirche der Beteiligung', weil das Miteinander der verschiedenen Dienste gut beschrieben ist. Leider ist diese 'Instruktion' eine so starke Bremse der Motivation und Wertschätzung der Dienste von Laien, dass ich große Sorge habe, wie wir unter solchen Bedingungen neue engagierte Christen finden sollen und wie wir unsere pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterhin gut begleiten und fördern können."

"Umso notwendiger" erweise sich aus seiner Sicht daher der sogenannte "Synodale Weg", behauptet Bode. Dessen Teilnehmer beschäftigten sich damit, "wie der priesterliche Dienst heute zu verstehen und zu bestehen ist und wie Frauen und Männer gemeinsam Kirche gestalten". Der Bischof von Osnabrück gibt sich sicher: "Nur dieser synodale Weg kann eine Antwort auf diese römische Herausforderung sein."

Kirchenrecht: Keine "Leitungsteams" mit Laien an der Spitze

In der Vatikan-Instruktion wird neben dem Aufruf zur Mission nicht für Deutschland, sondern für die gesamte Weltkirche betont, dass Pfarrer ihre Pfarreien leiten. Das priesterliche Amt des Pfarrers kann nicht von Laien übernommen werden, auch nicht im Falle des Priestermangels, so das von der Kleruskongregation verfasste Schreiben.

Diese Regelung ist kein Novum. Bereits das Kirchenrecht hat im "Codex Iuris Canonici" festgelegt, dass der Pfarrer "der eigene Hirte der ihm übertragenen Pfarrei" ist und die Leitung inne hat (CIC, can. 519).
 
Im Canon 517 § 2 werden auch die Maßnahmen bestimmt, die zu treffen sind, falls aufgrund von Priestermangel kein Pfarrer die Gemeinde leiten kann. In einem solchen Fall können demnach auch Laien beteiligt werden, wobei jedoch innerhalb einer solchen "Leitungsgruppe" weiterhin ein Priester die Leitung behalten muss:
"Wenn der Diözesanbischof wegen Priestermangels glaubt, einen Diakon oder eine andere Person, die nicht die Priesterweihe empfangen hat, oder eine Gemeinschaft von Personnen an der Ausübung der Hirtensorge einer Pfarrei beteiligen zu müssen, hat er einen Priester zu bestimmen, der, mit den Vollmachten und Befugnissen eines Pfarrers ausgestattet, die Hirtensorge leitet." 

Mit dem nun vorgestellten Papier bekräftigt Papst Franziskus nach Einschätzung der Kritiker also, dass so manchen "Reformplänen" aus der Feder deutscher Bistums-Verwaltungen die kirchenrechtliche Grundlage fehlt, um "Leitungsteams" zu installieren, in denen der Priester lediglich eine nebengeordnete Rolle spielen würde.

Schon früher hatte der Vatikan ähnlichen Plänen des Bistums Trier eine Absage erteilt. Wie CNA Deutsch kürzlich berichtete, strebt auch das Erzbistum Freiburg eine radikale Bistumsreform an, bei der unter anderem die 1.000 Pfarreien des gesamten Bistumsgebiet zu 40 XXL-Pfarreien zusammengelegt werden sollen.

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