Berichte: Papst Franziskus distanziert sich vom deutschen "Synodalen Weg" (UPDATE)

Papst sieht in deutscher Debattenveranstaltung eine "Protestantisierung", sagt Erzbischof Gądecki laut "Vatican News" – Hauptthema der Audienz war die Lage im Ukraine-Krieg, Flüchtlingshilfe und Friedensbemühungen

Papst Franziskus und Erzbischof Stanisław Gądecki von Poznań (Posen) am 28. März 2022.
Foto: Episkopat.Pl / Twitter

Papst Franziskus hat sich laut einer Mitteilung der polnischen Bischofskonferenz sowie einem Bericht von "Vatican News" gegenüber Erzbischof Stanisław Gądecki vom deutschen "Synodalen Weg" distanziert. 

Bei seiner Audienz mit dem Vorsitzenden der polnischen Bischofskonferenz am Montag sei Papst Franziskus über die Probleme informiert worden, "die sich für die Weltkirche aus den Fragen ergeben, die, wie der Papst sagte, durch den sogenannten deutschen 'Synodalen Weg' aufgeworfen werden. Franziskus distanziert sich von dieser Initiative", so die Bischofskonferenz nach der Begegnung am heutigen Montag.

Die polnisch-sprachige Ausgabe der "Vatican News"  interviewte den Erzbischof und paraphrasierte dabei im begleitenden Bericht seine Aussage wie folgt: "Während des Treffens mit dem Heiligen Vater sprach Erzbischof Stanislaw Gądecki auch den sogenannten deutschen 'Synodalen Weg' an, zu dem, wie er bemerkte, der Papst selbst eine große Distanz habe, da er darin eine Hinwendung zur Protestantisierung der Kirche sehe, die von den Protestanten selbst oft abgelehnt wird."

Laut einer Meldung des Portals "katholisch.de" dementierte der Vatikan am 29. März nicht diese Aussagen, sondern teilte mit, dass der Inhalt des Gesprächs vertraulich gewesen sei. Die Haltung des Papstes zu dem deutschen Prozess sei weiterhin die in seinem Brief an die deutschen Katholiken im Jahr 2019 beschriebene. Darin hatte Franzikus unter anderem vor Spaltung und Häresien gewarnt, seine Kritik an den deutschen Bischöfen des Jahres 2015 bekräftigt – und erneut zur Evangelisierung aufgerufen, wie CNA Deutsch berichtete

;

Gemeinsame Verurteilung des Kriegs in der Ukraine

Hauptthema des Treffens von Franzikus und dem polnischen Erzbischof war die enorme Hilfsarbeit und wichtige Rolle der Kirche in Polen inmitten der russischen Invasion der Ukraine, so die Bischofskonferenz. In dem 45 Minuten langen Gespräch habe Erzbischof Gądecki den Papst Franziskus über die aktuelle Situation und die Hilfe für die Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland informiert.

Erzbischof Gądecki stellte auch seine Bemühungen vor, gemeinsame Aktionen von Christen verschiedener Konfessionen für einen gerechten Frieden zu intensivieren, darunter ein persönliches Schreiben an den Moskauer Patriarchen Kirill. Er informierte den Papst auch über sein geplantes Treffen mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus I. am Dienstag in Warschau (CNA Deutsch hat berichtet).

In einem anschließenden Kommuniqué und in einer besonderen Erklärung verurteilten die polnischen Bischöfe den Angriff der Russischen Föderation auf die unabhängige und demokratische Ukraine.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz "dankte dem Heiligen Vater auch dafür, dass er die ganze Welt, insbesondere Russland und die Ukraine, dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht hat", so die Mitteilung am 28. März.

"Der Heilige Vater dankte für alle von der Kirche in Polen ergriffenen Maßnahmen und sicherte seine geistliche Unterstützung zu. Er forderte die Geistlichen und Seminaristen auf, dem Glauben des Gottesvolkes nahe zu bleiben. Er erteilte auch seinen apostolischen Segen", heißt es weiter.

Austausch über deutschen "Synodalen Weg"

Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz Polens hatte Ende Februar in einem Brief an seinen deutschen Amtskollegen "brüderliche Besorgnis" über die Richtung des deutschen "Synodalen Weges" geäußert, der von seinem Gründer, Kardinal Reinhard Marx, lange als "verbindlicher Prozess" beschrieben wurde – bis der Vatikan dies mit wiederholten Interventionen korrigierte.

Bischof Georg Bätzing von Limburg hat laut deutscher Bischofskonferenz auf die Zeilen des Nachbarn "ausführlich" geantwortet. Der deutsche Bischofskonferenzvorsitzende widersprach demnach der Kritik einer Verwässerung der Lehre und Anpassung an den Zeitgeist auf der umstrittenen deutschen Debattenveranstaltung. 

In dem fast 3.000 Wörter umfassenden, auf Deutsch veröffentlichten Text bezweifelte Erzbischof Stanisław Gądecki, dass die umstrittene deutsche Debattenveranstaltung im Evangelium verwurzelt ist.

LINK-TIPP: CNA Deutsch hat berichtet und den Wortlaut dokumentiert.

"Die katholische Kirche in Deutschland ist wichtig auf der Landkarte Europas und ich bin mir bewusst, dass sie entweder ihren Glauben oder ihren Unglauben auf den ganzen Kontinent ausstrahlen wird", schrieb der polnische Erzbischof an Bischof Georg Bätzing.

"Deshalb betrachte ich das bisherige Vorgehen des deutschen 'Synodalen Weges' mit Sorge. Wenn man seine Früchte beobachtet, kann man den Eindruck gewinnen, dass die Grundlage der Betrachtung nicht immer das Evangelium ist."

Weltweit Sorge um neue Spaltung aus Deutschland

Nicht nur Erzbischof Gadecki und Papst Franziskus haben sich sorgenvoll über den deutschen Prozess und das Risiko eines neuen Schismas aus deutschen Landen geäußert. Auch deutsche Katholiken – darunter engagierte Christen rund um den "Neuen Anfang" – haben den Papst über ihre Bedenken informiert, wie CNA Deutsch berichtete.

Auch bei dieser Gelegenheit, wo Franziskus tausende Unterschriften entgegennahm, soll der Papst über den "sogenannten" Synodalen Weg gesprochen haben.  

Der Schweizer Kardinal Kurt Koch – der "Ökumene-Minister" des Vatikans – hat die Sorgen des Papstes über die generelle Situation in Deutschland bestätigt, ebenso wie mehrere deutsche Bischöfe. Kardinal Walter Kasper, der als theologischer Berater des Papstes bekannt ist, hat ebenfalls klare Kritik am "Reformprozess" geäußert.

Zahlreiche weitere Bischöfe in aller Welt haben Bischof Bätzing, das mitverantwortliche ZdK und den "Synodalen Weg" scharf kritisiert, darunter zuletzt am 10. März die geschlossene nordische Bischofskonferenz, wie CNA Deutsch berichtete.  

Der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Gualtiero Bassetti, hatte bereits im Mai 2021 erklärt, dass der synodale Prozess in Italien nicht vergleichbar mit dem umstrittenen "Synodalen Weg" in Deutschland sein werde.

Die Äußerungen Bassettis folgten der scharfen Kritik von Kardinal Vinko Puljić, dem Erzbischof von Sarajevo an den "exotischen Ideen" des deutschen "Synodalen Wegs" sowie der scharfen Kritik der amerikanischen Erzbischöfe Samuel Aquila von Denver und Salvatore Cordileone von San Francisco.

Auch der australische Kardinal George Pell sowie der italienische Kardinal Camillo Ruini, der englische Bischof Philip Egan von Portsmouth und der spanische Bischof José Ignacio Munilla Aguirre von San Sebastián hatten sich der wachsenden Zahl von Kirchenvertretern und prominenten Theologen angeschlossen, die sich besorgt über den "Synodalen Weg" und andere Vorgänge in Deutschlands Diözesen zu Wort gemeldet haben.  

Bischof Georg Bätzing hat diese Bedenken bislang bestritten und beteuert, es gehe kein Risiko vom "Synodalen Weg" einer neuen Kirchenspaltung aus Deutschland aus – auch wenn der "Synodale Weg" mehrere "Beschlüsse" gegen die Lehre der Kirche getroffen hat.

Luke Coppen trug zur Berichterstattung bei.

Letzte Aktualisierung mit Aussage des Vatikan-Sprechers Matteo Bruni am 29. März um 17:19 Uhr. 

Das könnte Sie auch interessieren: 

https://twitter.com/CNAdeutsch/status/1443239392450125829 

;