"Insel der Seligen"? Religionsfreiheit in Deutschland und weltweiten Vergleich

Katholisches Hilfswerk "Kirche in Not" stellt maßgeblichen neuen Bericht in Berlin vor

Vorstellung des Berichts "Religionsfreiheit weltweit 2021" in Berlin (von links): Regina Lynch (Projektdirektorin von KIRCHE IN NOT/ACN International), Heiner Koch (Erzbischof von Berlin), Thomas Heine-Geldern (Geschäftsführender Präsident von KIRCHE IN NOT/ACN), Markus Grübel MdB (Beauftragter der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit), Mark von Riedemann (Vorsitzender des Redaktionsausschusses des Berichts).
Foto: Kirche in Not
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Trotz eines kritischen, manchmal "regelrecht religionsfeindlichen" Umfelds in Deutschland gibt es nach Einschätzung von Erzbischof Heiner Koch grundsätzlich keine Diskriminierung von Christen wegen ihrer religiösen Überzeugungen in der Bundesrepublik. 

Das Hilfswerk Kirche in Not – Aid to the Church in Need (ACN) – stellte am 22. April im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin seinen neuen Bericht zur Religionsfreiheit vor. An der Präsentation nahmen neben Thomas Heine-Geldern, dem geschäftsführenden Präsidenten von "Kirche in Not" – sowie Erzbischof Koch – auch der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel (CDU) teil, gemeinsam mit weiteren Experten des katholischen Hilfswerks ACN. Der katholische Fernsehsender EWTN.TV übertrug die Veranstaltung live.

Nach Einschätzung von Thomas Heine-Geldern sind die Grundrechte für Christen in Deutschland nicht im Wesentlichen in Gefahr. Ganz genau beobachte man jedoch etwa die Entwicklung im Bereich der Gewissensfreiheit von Ärzten, die im aktuellen politischen Diskurs immer wieder zur Debatte steht – so wie aktuell in den Vereinigten Staaten von Amerika

Erzbischof Koch bestätigte gegenüber CNA Deutsch bei der Vorstellung des neuen Berichts: "Die grundsätzliche Einschätzung, dass wir in Deutschland keine Christenverfolgung haben, ist wahr." Gleichzeitig nehme er zuweilen ein "religionskritisches", wenn nicht sogar "religionsfeindliches Umfeld" wahr, so der Berliner Oberhirte.

Heine-Geldern verwies am Donnerstag zudem auf Fälle von Antisemitismus in Deutschland, auf antimuslimische Übergriffe und auf die Diskriminierung von Migranten und Flüchtlingen – die auch religiöse Gründe haben können.

Der Beauftragte der aktuellen deutschen Bundesregierung für Religionsfreiheit, Markus Grübel, unterstrich, dass es aus seiner Sicht in Deutschland keine Christenverfolgung gebe. Im Vergleich zu anderen Ländern sei die Bundesrepublik für Christen "eine Insel der Seligen", so der CDU-Politiker wörtlich. 

Tatsächlich ist im internationalen Vergleich die Lage für Gläubige – egal ob etwa Christ, Muslim oder Jude – sehr positiv: Das katholische Hilfswerk ACN stellt in seiner maßgeblichen Untersuchung fest, dass es in jedem dritten Land schwerwiegende Verstöße gegen das Recht auf Religionsfreiheit gibt.

Dem Bericht zufolge, den die Päpstliche Stiftung in Rom und heute in Berlin vorstellte, wurde dieses Grundrecht zwischen 2018 und 2020 in 62 von 196 Ländern der Welt nicht respektiert; das entspricht 31,6 Prozent.

Die ACN-Studie zur Religionsfreiheit umfasst insgesamt 196 Länder und dokumentiert Vorkommnisse im Zeitraum von 2018 bis 2021. Dabei werden die Länder je nach dem Grad der dort herrschenden religiösen Verfolgung und Diskriminierung in vier Kategorien eingeteilt: Situation verbessert, Situation unverändert, Situation verschlechtert oder "unter Beobachtung". Letztere Kategorie wurde neu eingeführt, um auf jene Länder hinzuweisen, in denen nach Auffassung der Experten die Situation der Religionsfreiheit bedrohlich zu werden beginnt.

In jedem dritten Land schwerwiegende Verletzungen 

Die Studie stellt fest, dass es in jedem dritten Land der Welt zu schwerwiegenden Verletzungen der Religionsfreiheit kommt. So wurde dieses Grundrecht zwischen 2018 und 2020 in 62 von 196 untersuchten Ländern nicht respektiert. Die Zahl der in diesen Staaten lebenden Menschen liegt bei fast 5,2 Milliarden. In 26 Ländern sind die Einwohner sogar massiver Verfolgung ausgesetzt.

Wie CNA Deutsch bereits gestern berichtete, gibt es nach Angaben des Berichts von "Kirche in Not" einen "dramatischen Anstieg" der Anzahl dschihadistischer Gruppen, von denen einige mit dem Islamischen Staat verbündet sind. Besonders die Radikalisierung des afrikanischen Kontinents wurde ins Auge gefasst, insbesondere in Subsahara- und Ostafrika. In 42 Prozent aller afrikanischen Länder kommt es mittlerweile zu Verstößen gegen die Religionsfreiheit. Burkina Faso und Mosambik sind zwei markante Beispiele.

Aber auch das Anwachsen transnationaler islamistischer Netzwerke, die sich über ein großes Gebiet hinweg erstrecken, stellen vermehrt eine Bedrohung dar wie auch die in einigen Ländern übliche und auf künstliche Intelligenz basierende Massenüberwachung.

Die gesamte Studie und weitere Informationen sind hier online abrufbar. Die Pressekonferenz wird am 22. April 2021 beim katholischen Fernsehsender EWTN.TV um 22.00 Uhr erneut ausgestrahlt und ist außerdem auf dem Youtube-Kanal des Senders abrufbar.

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