Trotz eindeutiger Absage aus Rom: Bischof Feige hofft weiter auf "Mahlgemeinschaft"

Bischof Gerhard Feige
Foto: Wikimedia / Thomas Guffler (CC BY-SA 3.0)

Trotz klarer Interventionen, Warnungen und Mahnungen aus Rom hat sich der Vorsitzende der Ökumenekommission der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Gerhard Feige von Magdeburg, erneut für eine gemeinsamen Eucharistie-Empfang von Katholiken und Protestanten ausgesprochen.

In einem Interview der Zeitungen der Verlagsgruppe Bistumspresse vom vergangenen Sonntag sagte Feige, dass die Frage nach einer möglichen Interkommunion "nicht unbedingt" noch in diesem Jahr geklärt werde – man werde jedoch "nicht locker" lassen, bis man "sensible Lösungen" finde.

Feige bezieht sich auf das von Rom bereits abgelehnte Papier des Ökumenischen Arbeitskreises (ÖAK) vom Herbst 2019 (CNA Deutsch hat berichtet), in dem - auch unter der Federführung des Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing - für eine "Mahlgemeinschaft" zwischen evangelischen und katholischen Christen plädiert wurde.

Bätzing tritt darin dafür ein, dass es künftig der "Gewissensentscheidung" des einzelnen Gläubigen obliegen solle, an der Feier der jeweils anderen Konfession teilzunehmen und auch als evangelischer Christ die Eucharistie zu empfangen: Zwar könne "eine gemeinsame Feier des Herrenmahles"  nicht ermöglicht werden, zumindest derzeit, jedoch wolle der ÖAK – so wörtlich –  "einen theologischen Begründungsrahmen zur Verfügung stellen für den Respekt vor der individuellen Gewissensentscheidung einzelner Gläubiger, zur Eucharistie beziehungsweise zum Abendmahl hinzuzutreten".

Der Text wirft auch Fragen auf, die seinen Autoren zufolge bei der weiteren theologischen und pastoral-liturgischen Auseinandersetzung zu beachten seien. Wörtlich heißt es in dem Schreiben:

"Sie markieren einen Klärungsbedarf auf katholischer Seite, wenn etwa die Kommunion unter beiderlei Gestalten als Regelform angesehen wird oder von missverständlichen Formulierungen in einzelnen liturgischen Texten hinsichtlich des Opfercharakters der Heiligen Messe die Rede ist."

Klare Absagen aus Rom

Am 21. September 2020 intervenierte bereits der Vatikan mit einem aufsehenerregendem Schreiben an Bischof Georg Bätzing. Zwischen Katholiken und Protestanten kann es derzeit könne es keine Interkommunion in Form einer "Mahlgemeinschaft" geben, erinnerte Rom die deutschen Bischöfe.

Mit der Intervention gehe es weniger um die vielbeschworene Rede von einer "Öffnung" oder deren "Blockade" mit Blick auf ein gemeinsames "Mahl": Es geht um ein grundsätzlich anderes Verständnis von Eucharistie und Realpräsenz. Das haben auch mehrere deutsche Bischöfe schon bekräftigt, wollen Bätzing und Feige aber offenbar nicht gelten lassen. 

Dabei ist der Vatikan sehr deutlich geworden: Die "katholischen Grundverständnisse" von Kirche, dem Opferbegriff der Eucharistie und des Weiheamts sind "nicht ausreichend geklärt", monierte die Glaubenskongregation jedoch bereits damals. Damit würden "zentrale Themen des Depositum fidei, Glaubenswahrheiten, de fide tenendae" direkt berührt.

Eine weitere Warnung betrifft die Ökumene: Die Forderungen des Arbeitskreises mit Protestanten könnten ausgerechnet diese belasten, vor allem mit den Geschwistern der Orthodoxie. Dass sei gerade auch in Deutschland bedeutsam, da die Zahl der orientalischen Christen aus den noch nicht in voller Gemeinschaft mit der Katholischen Kirche stehenden Ostkirchen wachse.

Kurz darauf, am 22. September, meldete sich auch der Präfekt des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, in einem Interview warnend zu Wort. Nach dem Einspruch des Vatikans "können Deutschlands Bischöfe nicht zur Tagesordnung übergehen", mahnte Koch in der "Herder Korrespondenz". 

Das Schreiben der Glaubenskongregation an den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, sei eine sehr ernste sachliche Auseinandersetzung mit dem Text "Gemeinsam am Tisch des Herrn", so Koch. Er warnt im Interview, dass die Glaubenskongregation auf Fragen aufmerksam mache, die der "Ökumenische Arbeitskreis" offenbar für gelöst halte, "die aber noch nicht gelöst sind".

Auch Papst Franziskus sei besorgt "über die Situation der Kirche in Deutschland", betonte Koch, und zwar nicht nur mit Blick auf "Mahlgemeinschaften", sondern überhaupt: "Ich erinnere auch daran, dass Papst Franziskus bereits im vergangenen Jahr einen langen Brief an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland geschrieben hat", so Koch. In dem Brief warnt der Papst vor Spaltungen und ruft zur Evangelisierung und Einheit mit der Weltkirche auf.

Da die beiden Signale aus Rom während der Herbstvollversammlung der deutschen Bischofskonferenz eintrafen, verkündete Bätzing bei der Abschlusspressekonferenz schließlich, dass man in der Vollversammlung vorerst nicht über das umstrittene Papier des ÖAK "abstimmen" könne, bis die "kritischen Anmerkungen" der Glaubenskongregation ausgeräumt seien. 

Wie CNA Deutsch berichtete, veröffentlichte die deutsche Bischofskonferenz schließlich Anfang Oktober das Schreiben der Glaubenskongregation, in dem das Papier des ÖAK kritisiert wurde. Vorausgegangen war dabei auch eine interne, heftige Auseinandersetzung zwischen Bischof Georg Bätzing und dem Apostolischen Nuntius von Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic (CNA Deutsch hat berichtet).

Feige: "Durchaus Spielraum"

Wie Bischof Feige in seinem Interview den Zeitungen der Verlagsgruppe Bistumspresse mitteilte, glaube er trotz der Absagen aus Rom einfach weiterhin, dass es "durchaus Spielraum" in der Frage nach einem gemeinsamen Abendmahl gebe. Es brauche noch "Geduld", meint Feige.

Die deutsche Bischofskonferenz und der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hätten erst kurz vor Weihnachten noch einmal über das Thema gesprochen, berichtet der Vorsitzende der Ökumenekommission der Bischofskonferenz"

"Klar ist, dass wir das Votum des Ökumenischen Arbeitskreises, dass eine gegenseitige Einladung schon jetzt möglich ist, gemeinsam würdigen, dass wir Fortschritte sehen. Klar ist aber auch, dass wir noch Fragen haben und dass wir im Detail unterschiedliche Positionen einnehmen", so Feige.

Auch wenn es für die EKD-Gemeinschaften kein Problem darstelle, wenn katholische Christen in evangelischen Gottesdiensten das Abendmahl besuchten, sei dies umgekehrt weiterhin nicht möglich, "jedenfalls nicht offiziell und generell", räumte Feige ein. Der Bischof wörtlich:

"Allerdings sehen wir als katholische Kirche in Deutschland durchaus Spielraum für die persönliche Gewissensentscheidung des Einzelnen. Anders als das das römische Papier angedeutet hat."

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