Vatikan soll Schweigen zu China brechen und Dialog führen, fordert Experte

Blick auf die Kuppel des Petersdoms
Foto: CNA / Petrik Bohumil

Professor Fredrik Fällman, ein Sinologe der Universität Göteborg, hat den Vatikan aufgefordert, sich zu Menschenrechtsverletzungen durch die chinesische Regierung zu äußern und darauf hingewiesen, dass "kein Dialog auf Augenhöhe stattfindet."

"China sollte wie jedes andere Land behandelt werden und nach den gleichen Regeln spielen wie andere", schrieb Fällman, außerordentlicher Professor für Sinologie der Universität Göteborg, in einem Beitrag des East Asia Forum.

"Die katholische Kirche kommentiert oft die Situation in anderen Ländern. Doch in China schweigt der Vatikan zu vielen besorgniserregenden Entwicklungen - einschließlich struktureller religiöser Verfolgung, Arbeitsrechtsfragen und Menschenrechtsverletzungen gegen die Uiguren. Es scheint, dass Vatikanbeamte China mit einem anderen Maßstab messen als andere Länder", so Fällman, wie die "Catholic News Agency", die englischsprachige Schwesteragentur von CNA Deutsch, berichtet.

Professor Fällman schließt sich damit der wachsenden Kritik durch Menschenrechtler, Diplomaten und Politiker am Umgang von Papst Franziskus mit dem kommunistischen Regime an, das systematisch Christen verfolgt und durch die "Sinisierung" gleichzuschalten versucht.

Laut Joseph Kardinal Zen, dem emeritierten Bischof von Hongkong, werden die Christen in China weiterhin von den Behörden verfolgt und schikaniert, "trotz des Abkommens."

Die Politik der "Sinisierung", die vom chinesischen Präsidenten Xi Jinping im Jahr 2015 angekündigt wurde, zielt darauf ab, die chinesische und kommunistische Identität auf alle religiösen Praktiken im Land zu übertragen. Dabei wird Religion systematisch ihres Inhalts entleert, um dann durch Propaganda ersetzt zu werden. Kirchen werden zum Beispiel gezwungen, Bilder der Zehn Gebote zu entfernen und durch Sprüche von Mao Zedong und Xi Jinping zu ersetzen.

Fällman warnte, dass selbst in Hongkong, wo religiöse Menschen mehr Freiheit genießen als auf dem Festland, in den letzten Jahren der Staat durch "Sicherheitsgesetze" systematisch die Kontrolle über Christen verschärft.

Mittlerweile wurden bereits mehrere Katholiken in Hongkong verhaftet und wegen Terrorismus, Aufruhr und ausländischer Kollusion angeklagt.

Papst Franziskus, der sonst als Anwalt verfolgter Minderheiten aufgetreten ist, schweigt bislang zu diesen Entwicklungen. 

Das Bistum Hongkong ist derzeit ohne Bischof. Die Diözese seit 2019 von John Kardinal Tong geleitet wird, der 2017 in den Ruhestand ging und das Ruder wieder übernahm, nachdem der vorherige Bischof von Hongkong unerwartet verstarb. Aufeinanderfolgende Kandidaten, die vom Vatikan ausgewählt und von Papst Franziskus genehmigt wurden, mussten wegen politischer Bedenken zurückgezogen werden.

"Die bevorstehende Wahl eines neuen [Bischofs in Hong Kong] wird zweifellos zu weiteren Spannungen führen, da untersucht werden wird, wo seine Loyalität liegt. Die Wahl eines 'pro-Peking'-Bischofs wird bei vielen Hongkongern nicht gut ankommen, während die Wahl eines unabhängigeren und kritischeren Bischofs Druck auf die Hongkonger Katholiken ausüben könnte", bemerkte Fällman.

Der Gelehrte fügte hinzu: "Wenn der Vatikan die Ordnung der Bischofsernennungen wiederherstellen und geheime Praktiken abschaffen will, dann muss er den Dialog mit allen Gesprächsseiten wieder aufnehmen - 'pro-Peking' oder nicht."

Nach den neuen Regeln, die am 1. Mai 2021 in Kraft treten sollen, wird die staatlich geführte, von der Kommunistischen Partei (KP) direkt kontrollierte "Chinesische Katholische Patriotische Vereinigung" für die Auswahl der Bischofskandidaten verantwortlich sein. Die Kandidaten werden dann "von der Chinesischen Katholischen Bischofskonferenz genehmigt und geweiht."

Der Vatikan hätte demnach keinerlei Einfluß mehr darauf, welche Kandidaten der KP in China ernannt und geweiht werden – erkennt diese aber offenbar dank des umstrittenen Geheimabkommens weiter an.

"Es muss eine internationale Koalition zwischen Christen und vielleicht anderen religiösen Gruppen geben, um Druck auf China auszuüben", schloss Fällman.

"Hier könnte der Vatikan mit seiner Stärke und Erfahrung eine zentrale Rolle spielen, was auch der Verwirklichung der 'pastoralen' Aspekte zugute käme, die mit dem aktuellen sino-vatikanischen Abkommen angestrebt werden. Echter Dialog schließt offene Kritik ein und ist der Schlüssel, um in den Beziehungen zu China echte Fortschritte zu machen."

Kardinal Zen sagte gegenüber CNA im vergangenen Jahr, dass das Schweigen der Kirche zu den Masseninhaftierungen und Misshandlungen der Uiguren in Xinjiang, langfristig der Kirche massiv schaden werde. "Das durchschlagende Schweigen wird der Arbeit der Evangelisierung schaden", sagte Zen letztes Jahr in einem Interview mit CNA.

"Wenn sich morgen Menschen versammeln, um das neue China zu planen, ist die katholische Kirche vielleicht nicht willkommen."

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