Deutsche Bischofskonferenz wählt erstmals Frau zur Generalsekretärin

Beate Gilles, Generalsekretärin der deutschen Bischofskonferenz seit Februar 2021.
Foto: Schnelle / Deutsche Bischofskonferenz

Die Vollversammlung der deutschen Bischofskonferenz hat erstmals eine Frau für das Amt des Generalsekretärs gewählt. Wie Bischof Georg Bätzing, der Vorsitzende der Bischofskonferenz, am heutigen Dienstag bekanntgab, wird Beate Gilles die Nachfolge von Pater Hans Langendörfer SJ antreten, der das Amt bis Januar 2021 ausübte.

"Ein wichtiger Tag für die Kirche in Deutschland", so Bätzing in der Pressekonferenz am Dienstagmittag. "Ich sehe das als starkes Zeichen, dass die Bischöfe ihrer Zusage nachkommen, Frauen in Führungspositionen zu fördern. Frau Gilles gilt als profunde Theologin, stark in den vielfältigen Strukturen der katholischen Kirche vernetzt und mit besten organisatorischen Fähigkeiten ausgestattet. Ihre bisherigen Tätigkeiten und Erfahrungen sind sehr gute Voraussetzungen für die neue Aufgabe."

Gilles wird ihr Amt am 1. Juli 2021 antreten. Sie wurde 1970 in Hückeswagen geboren und ist unverheiratet. Von 1989 bis 1995 studierte sie an der Universität Bonn die Fachrichtungen katholische Religionslehre und Deutsch und legte die erste Staatsprüfung ab. 2000 promovierte sie mit einer liturgiewissenschaftlichen Arbeit bei Professor Albert Gerhards. Bis zu diesem Zeitpunkt war Beate Gilles bereits freie Referentin in der theologischen und religiösen Erwachsenenbildung und freie Mitarbeiterin bei der Katholischen Fernseharbeit beim ZDF.

Wissenschaftlich betätigte sie sich von 1995 bis 1999 als Mitarbeiterin am Seminar für Liturgiewissenschaft an der Universität Bonn. Von 2000 bis 2010 war Beate Gilles Leiterin und Geschäftsführerin des Katholischen Bildungswerkes Stuttgart e. V. Seit 2010 ist sie Dezernentin für Kinder, Jugend und Familie im Bistum Limburg. Zum Dezernat gehören die Abteilungen Jugendliche, junge Erwachsene, Jugendverbände, Familie und Generationen, Kindertageseinrichtungen sowie der Eigenbetrieb Tagungshäuser im Bistum Limburg. Gilles ist seit 2020 außerdem ehrenamtliche Bundesvorsitzende von IN VIA Deutschland, dem katholischen Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit, dessen stellvertretende Vorsitzende sie bereits von 2012 bis 2019 war. Seit diesem Jahr ist sie außerdem Beauftragte der hessischen Bistümer im Rundfunkrat des Hessischen Rundfunk.

Gilles bedankte sich in einer ersten Stellungnahme für das entgegengebrachte Vertrauen und sagte wörtlich:

"Nach über zehn Jahren in Limburg und zuvor in Stuttgart hoffe ich, den Ansprüchen an diese Stelle umfassend gerecht werden zu können. Mit Respekt schaue ich auf die Leistung meines Vorgängers, P. Dr. Hans Langendörfer SJ, der das Sekretariat und den Verband mehr als zwei Jahrzehnte mitgeprägt hat. Es ist gerade eine herausfordernde, aber auch spannende Phase für die katholische Kirche in Deutschland. Mit dem Synodalen Weg hat etwas Neues begonnen. Dieser Prozess wird es mir ermöglichen, die differenzierte katholische Landschaft schnell kennenzulernen."

Auf die Frage eines Journalisten, ob sich Gilles mit "Maria 2.0" solidarisiere, vermied die neue Generalsekretärin eine eindeutige Antwort. Sie sei jedoch "an vielen sehr nah dran" und nehme bei der Initiative "eine große Energie wahr".  

Aufgaben des Generalsekretariats

Die deutsche Bischofskonferenz ist seit einiger Zeit ein großer Verwaltungsapparat, der ein Sekretariat, ein Kommissariat und weitere "Dienststellen für bestimmte Sachbereiche" unterhält (einen ausführlichen Hintergrundbericht finden Sie hier).

"Der Sekretär der deutschen Bischofskonferenz", so das Statut, "steht dem Vorsitzenden bei der Erfüllung seiner Aufgaben zur Verfügung. Insbesondere obliegt es ihm, die Sitzungen der Vollversammlung und des Ständigen Rates vorzubereiten und die anfallende Nacharbeit zu leisten. Er nimmt an diesen Sitzungen mit beratender Stimme teil und führt das Protokoll. Er verwaltet das Archiv der DBK." (Art. 38 Abs. 1)

Der Sekretär wird von der Vollversammlung gewählt und vom Vorsitzenden der DBK ernannt. Von 1996 bis Januar 2021 hatte Jesuitenpater Hans Langendörfer dieses Amt inne.

Themen der Frühjahrsvollversammlung

Die Frühjahrsvollversammlung wird bis zum kommenden Donnerstag im Online-Format stattfinden. Auf der Themenliste steht nach Aussage von Bischof Bätzing weiterhin das Thema Corona. Die Kirche sei medial "sehr präsent", was sich besonders an Weihnachten gezeigt hätte, "wo es uns sehr gelungen ist (...) Menschen zu berühren".

Bätzing unterstrich erneut die Bedeutung des weiterhin umstrittenen "Synodalen Wegs". Dort werden seiner Ansicht nach die drängenden Themen "auf den Tisch gelegt". Ausdrücklich erwähnte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz in diesem Zusammenhang auch die Protestaktion der Gruppe "Maria 2.0" vom vergangenen Wochenende.

Die hohe Zahl der Kirchenaustritte seien Thema eines Studientags, den man am morgigen Mittwoch abhalten werde, so Bätzing. Viele Menschen hätten dadurch "ein Statement" abgegeben, dass sie "mit der Entwicklung der Kirche nicht einverstanden sind" oder ihrer Unzufriedenheit Ausdruck verliehen, das die Entwicklungen "blockiert" würden.

Die Aufarbeitung des Missbrauchs schreite weiter voran, teilte der Vorsitzende weiter mit. Besonders die neue Verfahrensordnung zu Anerkennungszahlungen, die seit Januar 2021 gültig ist, sei ein großer Fortschritt.

Bätzing stellte außerdem ein gemeinsames Statement der Bischofskonferenz zur Sterbehilfe-Debatte in Aussicht und kündigte außerdem an, dass die Konferenz sich in den kommenden Tagen auch zur Diskussion um das Thesenpapier des ökumenischen Arbeitskreises (ÖAK) werde. Erst Ende Januar hatte der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, eine Stellungnahme des ÖAK kritisiert (CNA Deutsch hat berichtet). 

Die Glaubenskongregation hatte erst im September 2020 der Forderung des von Bischof Bätzing mitgeleiteten OAK eine klare Absage erteilt. Zwischen Katholiken und Protestanten kann es derzeit könne es keine Interkommunion in Form einer "Mahlgemeinschaft" geben, erinnerte Rom die deutschen Bischöfe.

Mit der Intervention gehe es weniger um die vielbeschworene Rede von einer "Öffnung" oder deren "Blockade" mit Blick auf ein gemeinsames "Mahl": Es geht um ein grundsätzlich anderes Verständnis von Eucharistie und Realpräsenz. Das haben auch mehrere deutsche Bischöfe schon bekräftigt, wollen offenbar die Bischöfe Georg Bätzing und Gerhard Feige aber offenbar nicht gelten lassen. Erst im vergangenen November hatte Bätzing in einem Brief an die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) angekündigt, dass die "Mahlgemeinschaft" künftig "erfahrbar sein" werde (CNA Deutsch hat berichtet).

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