Online-Konferenz zum "Synodalen Weg" eröffnet: "Wir werden Entscheidungen bekommen"

Verantworten den umstrittenen "Synodalen Weg": ZdK-Präsident Thomas Sternberg und Bischof Georg Bätzing von Limburg.
Foto: Rudokf Gehrig / CNA Deutsch // Bistum Limburg

Der Auftakt ist gemacht: Am Donnerstagabend haben der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, und der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, die Online-Konferenz zum sogenannten "Synodalen Weg" eröffnet. 

Die umstrittene Debatten-Veranstaltung, die von ihren Initiatoren als "Reformprozesses" bezeichnet wird, möchte nach eigenen Angaben Lehren aus der massiven Missbrauchs- und Vertuschungskrise der Katholischen Kirche ziehen. Ein Großteil der Teilnehmer fordert dabei eine Änderung der überlieferten kirchlichen Lehre (lesen Sie hierzu die Hintergründe).

Bischof Bätzing: Weg der Umkehr und Erneuerung nötig

Die Online-Konferenz wurde unter anderem von der "geistlichen Begleiterin des 'Synodalen Weges'", Maria Boxberg, eröffnet, die einen Wortgottesdienst leitete. Anschließend begrüßten Bätzing und Sternberg gemeinsam die Teilnehmer.

Bätzing bedauerte, dass ein persönliches Treffen nicht möglich sei. Weil der Vorschlag, die zweite Synodalversammlung – die erste fand vor einem Jahr in Frankfurt statt, CNA Deutsch hat berichtet – einfach online zu veranstalten, keine Mehrheit gefunden habe, hatte man sich dazu entschlossen, wenigstens eine Online-Konferenz zu veranstalten.

Der "Synodale Weg" sei ein "Weg der Umkehr und der Erneuerung", so Bätzing, "das mag mitunter schmerzhaft sein, ist aber notwendig". Der Vorsitzende der Bischofskonferenz hob erneut die Bedeutung der umstrittenen MHG-Studie hervor. Bätzing wörtlich:

"Hinter den Ergebnissen der MHG-Studie gibt es kein Zurück."

Das sehen einige Experten anders. Die MHG-Studie (sie wurde im Auftrag der deutschen Bischofskonferenz angefertigt und steht unter dem Titel "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz") ist nach Angaben der Initiatoren die Grundlage für den "Synodalen Weg". Seit ihrer Veröffentlichung bei der Herbstvollversammlung der deutschen Bischofskonferenz im September 2018 steht sie auch in der Kritik von Beobachtern. So hatte unter anderem der Psychiater Manfred Lütz, der unter anderem mit Missbrauchsopfern arbeitet, den "unwissenschaftlichen" Stil der Arbeit kritisiert (lesen Sie hier seine ausführliche Stellungnahme). 

Kritiker – darunter auch Missbrauchsopfer – sprechen zudem unter anderem vom "Missbrauch des Missbrauchs" und fürchten, dass die Studie als Vorwand gilt, um auf unredliche Weise für Änderungen der Lehre der Kirche zu versuchen. 

In seiner Rede zur Eröffnung der Online-Tagung erklärte Bätzing außerdem, dass die Öffentlichkeit den "Synodalen Weg" mit "großem Interesse" verfolge. Erst im vergangenen September hatte jedoch eine repräsentative Umfrage ergeben, dass sich fast zwei Drittel der Deutschen nicht für den "Synodalen Weg" interessiert (CNA Deutsch hat berichtet). 

Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz fand außerdem lobende Worte für die jungen Mitarbeiter des "Synodalen Weges", die mittlerweile einen entsprechenden Instagram-Account eingerichtet hätten und dem gesamten Prozess somit einen jugendlichen Anstrich gegeben hätten.

ZdK-Präsident Sternberg: "Es gibt törichte Bemerkungen"

Der Präsident des ZdK, Thomas Sternberg, blickte nach eigenen Angaben zufrieden auf die zurückliegenden Regionalkonferenzen des "Synodalen Weges" zurück. "Der gute Geist von Frankfurt wirkt weiter", so der CDU-Politiker wörtlich. Zwar habe die Pandemie das Tempo insgesamt etwas ausgebremst, "aber der 'Synodale Weg' behält seinen Schwung", so Sternberg.

Der ZdK-Präsident erklärte auch, er verspüre "Handlungsdruck", weshalb man die – so wörtlich – "Reformprojekte" vertieft angehen müsse.

Die Mitglieder der Kirche in Deutschland seien "herausgefordert, den Glauben zu aktualisieren". Dies allerdings werde "kein Spaziergang" werden. Sternberg betonte: "Es muss Entscheidungen geben!"

Mit deutlichen Worten attackierte der Vertreter des von Kirchensteuermitteln finanzierten Gremiums unterdessen die zahlreichen Kritiker des "Synodalen Weges". Es gebe "törichte Bemerkungen", die dem Prozess unterstellen würden, die "Protestantisierung" der Katholischen Kirche voranzutreiben. Auch wies Sternberg erneut die Sorge und den Vorwurf zurück, man würde eine "deutsche Nationalkirche" gründen, die sich von der Weltkirche abspaltet, indem man die Lehre der Kirche zu ändern versuche. Sternberg unterstrich erneut:

"Wir werden Entscheidungen bekommen!"

Die Tatsache, dass Papst Franziskus persönlich wiederholt – ebenso wie führende Vertreter des Vatikans – mit zunehmend deutlichen Worten und Taten in den "Synodalen Weg" massiv interveniert, diesen korrigiert und kritisiert haben, den er gemeinsam mit Kardinal Reinhard Marx als "verbindlich" und mit Blick auf einen "epochalen Wandel" angekündigt hatte, sprach Sternberg heute nicht an.

Eine Konsequenz dieser Interventionen ist bekanntlich, dass die Veranstaltung keine verbindlichen Entscheidungen fällen kann.

 

Ebensowenig sprach Sternberg die Tatsache an, dass nicht nur der Vatikan und Beobachter im Ausland, sondern auch mehrere deutsche Bischöfe und Theologen sowie Laiengruppen scharfe Kritik geübt haben. Es sei denn, Sternbergs Rede von "törichten Bemerkungen" galten diesen katholischen Personen und Gruppen.

Online-Konferenz endet morgen

Die Online-Tagung findet heute und auch am morgigen Freitag statt. Dabei werden die insgesamt vier Synodalforen, die sich unter anderem mit den Themen "Macht und Gewaltenteilung in der Kirche", "Priesterliche Existenz heute", "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" und "Leben in gelingenden Beziehungen" beschäftigen, von ihrer Arbeit in den jeweiligen Gruppen berichten.

Die Konferenz ist nach Angaben der Initiatoren ausdrücklich als "Hearings" konzipiert, was bedeute, dass keine "Beschlüsse" gefasst werden können. Wenn es die Umstände der Coronavirus-Pandemie zulassen, soll im Oktober 2021 die zweite Synodalversammlung stattfinden.

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